Lölling-Sonnseite "Auf der Kölbl-Höhe"; GNr. .108, KG Lölling
Im Jahre 1862 ließ der Gewerke Eugen von Dickmann-Secherau auf der Löllinger Sonnseite in 1142 m SH die Barbarakapelle erbauen.
Die Anregung zum Bau der Kapelle auf diesem schönen Platz gab der damalige Betriebsleiter des Löllinger Bergwerkes Ferdinand Seeland. Er erfüllte damit auch einen Wunsch der über 700 Bewohner der Lölling-Sonnseite. Die Kapelle wurde unter Mithilfe der gesamten Bevölkerung in neugotischem Stil errichtet.
Im Jahre 1929 hat ein als Krankenkontrollor bei der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft angestellter Wiener in die Kapelle eingebrochen. Er stahl dabei die silberne Monstranz, einige silberne Kerzenleuchter und das ewige Licht, was er später verkaufte. Nur das ewige Licht wurde in Form einer offenen Messing- Grubenlampe ersetzt. Diese wurde aber in den siebziger Jahren neuerlich gestohlen.
Vor der Kapelle standen zwei (1958 gefällte) Fichten mit einem Querbalken, an welchem eine Glocke hing; das Geläute musste im Ersten Weltkrieg bei einer Metallsammlung abgeliefert werden.
Ursprünglich sollte an dieser Stelle das Löllinger Bergamt erbaut werden. Weil aber Ferdinand Seeland der direkte Blick auf den Löllinger Erbstollen und die Betriebstätten wichtiger erschien, ließ er das Bergamt an anderer Stelle errichten. Auf das Dach baute er einen kleinen Turm, um in Mußestunden den abendlichen Sternhimmel als "Hobbyastronom" zu betrachten.
Erste, provisorische Renovierung der Kapelle im Jahre 1975 durch Mitglieder des Vereines "Freunde des Bergbaumuseums Hüttenberg" (heute Montangeschichtlicher Verein Norisches Eisen) unter dem Obmann Willi Kleer. Mitgewirkt haben (in alphabetischer Reihenfolge):
Glabutschnig Josef, Grabner Roman, Hofer Daniel, Kleer Stefan Willi, Kleer Wolfgang, Marschnig Hubert, Osojnik Anton, Pirolt Albert, Priehse Martin, Regenfelder Leo , Robitschko Hubert, Walzl Ernst
Die letzten Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten wurden durch die Vereinsmitglieder 1995/96durchgeführt. Die Barbarakapelle auf der Höhe "Kölbl am Stein" bot vor Beginn der Arbeiten im August 1995 folgendes Bild:
· Das Mauerwerk der Rückwand war durch eingedrungene Feuchtigkeit morsch und konnte das Gewicht des darüberliegenden Baukörpers nicht mehr tragen. Es traten typische Senkungsrisse auf und ein Einsturz der Rückwand war bereits abzusehen.
· Das Ziegelwerk des gemauerten Altars war völlig durchweicht und verrottet.
· Die bei der Renovierung 1976 verwendete wasserdichte Dispersionsfarbe hatte die Dampfdiffusion stark behindert und war so am schlechten Zustand des Mauerwerks sicherlich mitbeteiligt. Sie war an mehreren Stellen innen und außen bereits abgeblättert.
· Feuchtigkeit war auch an schadhaften Stellen an der Verbindung der Dachdeckung zu den Giebelmauern eingedrungen; Teile der aus Brettern geformten neugotischen Spitzdecke waren vermorscht und die darauf befestigten Stukkaturmatten mit dem anhaftenden Putz begannen sich abzulösen.
· Die Mauern beiderseits des mit Gras verwachsenen, rampenähnlichen Aufganges zur Kapelle waren durch Frost und Wurzeldruck stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die westliche Mauer war großteils bereits eingestürzt.
Es war also augenscheinlich, daß die Trockenlegung der Kapelle die erste und

wichtigste Sanierungsmaßnahme darstellen mußte. Mit Hilfe eines Grabbaggers wurde das Erdreich um die Kapelle vorsichtig abgenommen. Es zeigte sich bald, daß die aus Natursteinblöcken gebauten Sockelmauern nicht frostsicher fundamentiert waren, sondern lediglich auf eingeebnetem Aufschüttungsmaterial ruhten. Um die Kapelle nicht zu gefährden, durfte also lediglich bis zu einer Tiefe von ca. 40 cm aufgegraben werden. Zusätzlich waren mächtige Wurzeln der beiden Fichten, die einst beiderseits der Kapelle standen und bereits im Bericht von 1862 als "altehrwürdig" erwähnt werden, tief unter die Kapelle gewachsen. Nach Durchtrennen der Wurzeln wurden mehrere Stöcke ausgegraben und entfernt Das Gelände um die Kapelle mußte anschließend großteils händisch eingeebnet und planiert werden. Die Drainagegräben wurden mit Rollierung verfüllt und in späterer Folge darüber ein Traufenplaster aus Natursteinen gelegt. Nach Abschluß der groben Außenarbeiten wurden die Mauerkronen am Stiegenaufgang noch im Herbst 1995 bepflanzt und das Areal gegen die Straße zu im Sommer 96 eingezäunt.
Das verrottete Mauerwerk der Rückwand wurde nach entsprechenden Abstützungsmaßnahmen bis auf eine Höhe von ca. 70 cm über dem Sockel entfernt, durch gebrannte Ziegel ersetzt und neu verputzt.
Der Altar war über die ganze Breite der Kapelle aus kleinformatigen roten Ziegel an die Rückwand angemauert und mit einer hölzernen Altarplatte abgedeckt. Da das Mauerwerk völlig verrottet und die Holzplatte an der Unterseite vermorscht war, mußte der ganze Altar abgetragen werden. Durch großzügige Spenden der Fa. Natursteinwerk Josef Kogler GesmbH St. Urban, die 2 Diabas-Platten nach Maß geschnitten für den Altarsockel und Steinmetzmeister Bodner Nikolaus, Treibach, der die neue Altarplatte aus Marmor spendete, konnte der Altar in neuem Glanz erstehen. Zwei schmiedeeiserne Kerzenleuchter, gestiftet von der Kunstschmiede Heribert Wieland, Hüttenberg, verschönern den Altar. Im Namen der Bevölkerung von Lölling und aller, die sich an der neugestalteten Kapelle erfreuen und die besondere Weihe dieses Platzes empfinden, sei ihnen herzlichst gedankt.
Am Aufgang zur Kapelle wurden nach mehrmaligen Sondierungsversuchen Reste der

ursprünglichen Stiege, die ebenfalls im Gedenkbuch 1862 erwähnt wird, gefunden. Dies erleichterte die Entscheidung, die desolaten Mauern beiderseits der Stiege doch nur im unbedingt notwendigen Ausmaß abzureißen und unter Ersatz der fehlenden Steine aus einem nahegelegenen ehemaligen Steinbruch wieder aufzubauen. Die gefundenen Reste der Stiege selbst waren leider so spärlich, daß nur ein Neuaufbau in Frage kam. Die Porphyrplatten dafür und für das Traufenpflaster wurden von der Fa. Rabinig Winfried GesmbH., St. Veit, zur Verfügung gestellt, wofür auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Zwei Bänke beiderseits der Stiege, für die die Marktgemeinde Hüttenberg das Material beistellte, werden sicherlich so manchen müden Wanderer zu geruhsamer Rast einladen und ihn den herrlichen Rundblick durch das Löllinger Tal und weit über das Kärntner Land bis zu den Julischen Alpen genießen lassen.
Die beginnenden Restaurierungsarbeiten fanden rasch das wohlwollende Interesse der Bevölkerung. So erklärte sich Herr Robert Hafner spontan bereit, das optisch nicht sehr attraktive äußere Rundfenster an der Kapellenrückseite dem Innenfenster angeglichen neu und für den Verein kostenlos anzufertigen. Auch der unmittelbare Kapellennachbar, Herr Erich Soukup, stellte den laufend benötigten Baustrom kostenlos zu Verfügung. Ihnen sei ebenso herzlich gedankt wie all jenen, die immer wieder die durstigen Kehlen der Werkenden mit kühlen Getränken labten.
Die wasserdichte Dispersionsfarbe der Renovierung 1976 mußte innen und außen zur Gänze mechanisch, also mit der Spachtel und, wo nötig, durch Abschleifen entfernt werden, da auf die Anwendung aggressiver chemischer Mittel verzichtet wurde. Außen wurde die Kapelle anschließend gespachtelt, geschliffen, grundiert und in einem warmen Ockerton gestrichen. Die Farbe wurde von der Familie Lauchert, Lölling, gespendet.
Im Inneren der Kapelle mußte der lose und durchnäßte Putz an den Wänden abgeschlagen und erneuert werden.

Nach dauerhafter Abdichtung der Verbindungsstellen zwischen Dachdeckung und Giebelmauern konnte die Holzkonstruktion der Decke austrocknen und die Putzschicht anschließend erneuert werden.
Das ursprüngliche Altarbild, das im Bericht über die Einweihung im Jahre 1862 genau beschrieben wurde, war bereits Ende der fünfziger Jahre durch Feuchtigkeit stark beschädigt.

Über Veranlassung von Bergdirektor Tausch und finanziert durch Spenden der Angestellten des Bergbaues wurde das Altarbild restauriert und endgültig in die Kirche in Knappenberg überstellt. Da eine Rückstellung nicht in Frage kam, wurde eine Fotokopie des Bildes auf Leinen angefertigt und auf ein Format verkleinert, das der Kapelle besser angepaßt war.
Bei der Entfernung der Dispersionsfarbe an den Innenwänden kamen zur großen Überraschung Farbspuren zum Vorschein; im Bericht des Jahres 1862 wird nämlich nur eine einfache Ausmalung in "antikem Grau" erwähnt. Daraufhin wurde im Jänner 1996 der Landeskonservator HR DI Dr. Harb zugezogen. Der neugotische Dekor wurde von ihm als so bemerkenswert eingeschätzt, daß er vorschlug, ihn nicht zu überstreichen. Es sollte versucht werden, nach Möglichkeit weitere Teile freizulegen. Eine Restaurierung, bzw. gänzliche Wiederherstellung der farbigen Ausgestaltung hätte jedoch die finanziellen Möglichkeiten des Vereines weit überschritten.
Vorsichtig wurde nun versucht, unter insgesamt mindestens 3 Farbschichten möglichst viel vom ursprünglichen farbigen Dekor auf grauem Grund freizulegen. Dies gelang leider nur in Teilbereichen, da große Teile des Verputzes fehlten und ergänzt werden mußten oder Restaurierungen und Übermalungen die Farbreste zerstört hatten. Dennoch kann die ursprüngliche farbige Ausgestaltung, die im wesentlichen oder vielleicht ausschließlich die Seitenwände betrafen, weitgehend rekonstruiert werden.
Der Landeskonservator wies auch darauf hin, daß die ocker gestrichenen Außenwände

keinesfalls dem historischen Vorbild entsprechen und riet dringend, die Farbgebung der im 19.Jh üblichen anzupassen. Dies geschah im Sommer 1996. Die größtenteils hölzernen Tür- und Fensterkonstruktionen sollten nur repariert und gestrichen, keinesfalls jedoch in geänderter Form erneuert werden. Unter der bei der Renovierung 1976 angebrachten braunen Lackierung wurden Spuren des ursprünglichen roten Farbtones gefunden. Alle Holzkonstruktionen wurden daher abgebeizt, gekittet, grundiert und rot gestrichen. Lediglich die Füllungen der Eingangstüre mußten einschließlich der neugotischen Verzierungen gänzlich erneuert werden, wobei auf eine möglichst originalgetreue Ausführung geachtet wurde. Durch großzügige Spenden der Bevölkerung und den Reingewinn der Adventfeier des MGV Lölling, den dieser in dankenswerter Weise für die Renovierung der Barbarakapelle stiftete, wurde es möglich, die ursprünglich farbige Verglasung der Fenster wiederherzustellen. Die Neuverglasung des inneren Rundfensters finanzierte Herr Roland Jörg mit den Geldspenden, die anstelle von Kränzen beim Begräbnis seiner Mutter geleistet wurden. Ihnen allen soll herzlichster Dank ausgesprochen werden.

Alle diese unvorhergesehenen zusätzlichen Arbeiten führten zu erheblichen Verzögerungen, sodass der ursprünglich vorgesehene Einweihungstermin am Johanni-Sonntag 1996 nicht eingehalten werden konnte.
Für die Renovierungsarbeiten an der Barbarakapelle "Kölbl am Stein" auf Höhe von 1142 m SH wurden im Zeitraum Mai 1995 bis September 1996 insgesamt über 1500 Arbeitsstunden von Mitgliedern des Montangeschichtlichen Vereines Norisches Eisen ehrenamtlich geleistet.
An der Renovierung beteiligt waren (in alphabetischer Reihenfolge):
Dieber Kurt, Hatz Karl, Jörg Roland, Hohn Manfred, Löffler Erich, Pucher Kurt, Rinner Hermann, Schenn Hubert